target II – der sprengsatz an der Hintertür

„Wird 2017 zum Schicksalsjahr des Euro und der EU? Zwei Erdbeben hintereinander, Brexit und Donald Trump, haben die Selbstgewißheit der europäischen Eliten erschüttert. Bald stehen Wahlen in Holland und Frankreich an; in beiden Ländern liegen die Chancen der EU-Gegner, hier Geert Wilders, dort Marine Le Pen, nicht schlecht. Nicht ausgeschlossen ist auch, daß, wenn sowieso alle Dämme brechen, Italien oder ein anderes Land der Südschiene sich aus der Gemeinschaftswährung verabschiedet.

Noch schart die Angst vor den Folgen die Mannschaft um den Kapitän, sprich: um die deutsche Kanzlerin. Seit Ausbruch der Finanzkrise vor fünf Jahren ist es wesentlich ihr persönlicher Nimbus, der Euro und EU unbeirrt auf Kurs zu halten scheint. Doch dieser Nimbus hat seit der Flüchtlingskrise gelitten – nach außen wie nach innen. Wenn die Kanzlerin sich jetzt obendrein als besiegbar erweist, ist es gut möglich, dass der Kahn ganz auseinanderbricht.

Schuldendienst könnte zusammenbrechen

Kein Wunder, daß alle Welt die zu erwartenden Konsequenzen berechnet. Szenarien gibt es verschiedene. „Sollte ein Land das Eurosystem verlassen“, schrieb Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), kürzlich, „müsste dessen Nationalbank die Ansprüche oder Verbindlichkeiten mit der Europäischen Zentralbank vollständig ausgleichen.“ Ein wahres Wort.

Nur wird die neu-alte nationale Währung dieses Landes im Vergleich zum Euro deutlich weniger wert sein als beim Start der Eurozone. Die Einfuhren würden empfindlich teurer, die Exportwirtschaft würde angekurbelt … aber was exportieren die Hungerleider unter den Euroländern schon groß?

Vor allem würde der Schuldendienst zusammenbrechen. Ausländische Banken und Lieferanten blieben auf ihren Forderungen sitzen. Das gilt auch für die Verbindlichkeiten aus dem Euro-Rettungsschirm ESM. Und für jene im Rahmen des Verrechnungssystems TARGET. Schon zum Höhepunkt der Finanzkrise standen die sogenannten TARGET-Salden im Licht der Öffentlichkeit.

Schwache Länder lassen anschreiben

Es war der damalige Präsident des Münchener ifo Instituts, Hans-Werner Sinn, der im Februar 2011 darauf aufmerksam machte, dass die Schuldnerländer der EU, deren Anleihen niemand mehr haben wollte, sich via TARGET durch die Hintertür finanzierten.

An und für sich regelt das TARGET-System nur den laufenden Zahlungsverkehr zwischen den Zentralbanken. Diese Geldflüsse spiegeln den grenzüberschreitenden Handel mit Waren und Dienstleistungen. Vereinfacht ausgedrückt bilden die täglichen Salden die Handelsbilanz der beteiligten Volkswirtschaften ab.

Notorische Exporteure wie Deutschland bauen Forderungen auf, die in den Einfuhrländern als Verbindlichkeiten zu Buche schlagen. Der Trick ist: Euro-Länder genießen bei TARGET einen unbegrenzten Überziehungsrahmen. Sie importieren und lassen anschreiben wie vor langer Zeit beim Kaufmann um die Ecke.

Milliarden-Risiken am Steuerzahler vorbei

In der Vergangenheit wurden die TARGET-Verbindlichkeiten beglichen, indem die betroffenen Zentralbanken sich im Ausland refinanzierten. Das funktioniert seit Beginn der Finanzkrise nicht mehr – Ländern wie Griechenland, die kaum noch Anleihen plazieren können, steht allenfalls der ESM-Rettungsschirm zur Verfügung.

Oder sie lassen anschreiben – dann steigen im Gegenzug die TARGET-Forderungen der Ausfuhrländer wie Deutschland. Der eigentliche Kreditgeber, etwa der deutsche Steuerzahler, wird nicht gefragt. TARGET-Forderungen sind also nichts anderes als TARGET-Risiken. Zum Stichtag 31. Januar 2017, 24.00 Uhr, waren es für die deutsche Bundesbank 795.621.293.492,45 Euro.

Solange die Euro-Zone hält, sind die Forderungen wenigstens auf dem Papier werthaltig. Führt jedoch ein Schuldnerland seine nationale Währung wieder ein, dann wird es seine Euro-Verbindlichkeiten in nationaler Währung zum ursprünglichen Umrechnungskurs begleichen wollen. Wenn überhaupt. Nur wird dieser Umrechnungskurs dann völlig unrealistisch sein.

Deutschland könnte auf TARGET-Forderungen sitzenbleiben

Das böseste Szenario ist der komplette Zusammenbruch der Eurozone, also der gleichzeitige Ausstieg aller Mitglieder. In dem Fall würde das wirtschaftlich stärkste Land – gegenwärtig und bis auf weiteres Deutschland – sofort zum Magneten für Anleger aus Europa und der ganzen Welt. Die wieder eingeführte D-Mark würde binnen Minuten in die Höhe schnellen, die deutsche Exportwirtschaft (über die Hälfte des Bruttosozialprodukts) zusammenbrechen, und die fast 800 Milliarden TARGET-Forderungen der Bundesbank wären größtenteils für die Katz.

Erinnert man sich an die Diskussionen um den deutschen Beitrag zum Euro-Rettungsschirm – „nur“ 190 Milliarden -, dann begreift man Hans-Werner Sinns Schlußfolgerung vor sechs Jahren: „Wenn die Länder, deren Banken die Kredite gegeben wurden, zahlungsunfähig werden, haftet Deutschland. Es tun sich Abgründe auf.“ Und damals, Anfang 2011, lagen die deutschen TARGET-Forderungen bei deutlich weniger als der Hälfte von heute!

De facto hat die Bundesregierung sechs Jahre lang sehenden Auges über 400 Milliarden Euro zusätzliches Risiko in die Bücher genommen – und alles nur, damit der schöne europäische Traum nicht platzt. Wie sie dieses ungeheure Schneeballsystem verantworten will, sollte die Bundeskanzlerin als Richtlinienverantwortliche der deutschen Politik dem Souverän bei Gelegenheit erklären.“

https://jungefreiheit.de/debatte/kommentar/2017/ungeheures-schneeballsystem/

 

Target-2 erreichte im Januar mit 795 Mrd. Euro einen Rekordstand. Das Euro-System wird seit 2016 offensichtlich wieder schwerstens gestresst. Bricht es zusammen, ist Deutschland pleite.

 

von Dr. Siegfried von Hohenhau

Die Target-2- Forderungen der Bundesbank (BuBa) gegen das Eurosystem bzw. die Europäische Zentralbank (ECB) erreichen wieder erschreckende Dimensionen: Das Euro-System wird seit 2016 offensichtlich wieder schwerstens gestresst! Bricht es zusammen, ist Deutschland schlicht pleite.

 

Es kommt dann zum Forderungsausfall von rund Euro 750 – 800 Milliarden während der ganze Bundeshaushalt nur knapp über Euro 300 Milliarden liegt. Der Vergleich beider Zahlen zeigt, um was es geht. Währenddessen döst die deutsche Bevölkerung vor sich hin und wird vom Mainstream mit nebensächlichen Themen beschäftigt.

 

Target-2-Sachstand (Februar 2017):

Die Target-2-Salden sind von Juli bis Dezember 2016 um € 94 Milliarden gestiegen. Ein weiterer Anstieg um €  40 Milliarden im Januar auf insgesamt rund € 794 Mrd. lag im Trend und wurde so auch von der BuBa  im Tagesverlauf des 06.02.2017 vermeldet. Am Abend des gleichen Tages teilte die Bundesbank jedoch mit, die Target-2-Forderung gegen das Euro-System betrage doch nur € 754 Mrd. Inzwischen (07.02.2017) lautet der Saldo für den 31.01.2017 nach Angaben der BuBa (aufgerundet) nun tatsächlich € 796 Mrd., womit die Saldenexplosion allein für Januar mit rund € 42 Milliarden bestätigt ist.

 

Diese Entwicklung ist ein schockierender Hinweis auf die schnell fortschreitende Zerrüttung des Eurosystems: Die Finanzwelt spekuliert mit dem Euro und kalkuliert dabei dessen Untergang ein.

 

Carl-Ludwig Thiele, Vorstand der Bundesbank, unternimmt im Handelsblatt vom 07.02.2017 [1] einen Erklärungsversuch, der wohl der Beruhigung dienen und gewissermaßen auf weiteren „normalen“  Anstieg der T2-Salden der Bundesbank vorbereiten soll: Der Anstieg der T2-Salden „könnte technisch als Ergebnis der grenzüberschreitenden Wertpapierankäufe gedeutet werden“ und „Unter Annahme einer unveränderten Struktur der Ankäufe ist ein weiterer Anstieg der T2-Salden wahrscheinlich.“

 

Wie beruhigend! Dieses Statement verbirgt mehr als es erklärt und Absicherung gegen zukünftiges Ungemach ist wohl auch der tiefere Sinn solcher nichtssagenden „Deutungen“ der Bundesbank, die die T2-Deutungshoheit längst an die EZB abgegeben hat.  T2 bildet die mit Abstand größte Forderungsposition Bundesbank.

 

Fällt diese Forderung aus, erlischt bei der Bundesbank und in Deutschland das Licht. Und da weiß der Bundesbankvorstand nicht einmal genau („könnte gedeutet werden“) was die genauen Ursachen für diese Hauptposition sind und hat auch keine Erklärung wie und bis wann diese Forderungen/Außenstände für Deutschland eingezogen werden können? Unfassbar!

 

Spiegelbildlich zum T2-Forderungsanstieg der BuBa gegen die EZB  sind die T2-Defizite von Italien und Spanien binnen kürzester Zeit um € 64 Mrd. bzw. € 35 Mrd. nach oben geschnellt (die positiven bzw. negativen Target-2-Salden der übrigen Euroländer haben sich dagegen wenig bewegt).[2] Die EZB selbst weist für Juli bis Dezember 2016 in ihrer eigenen Bilanz ein zusätzliches Target-2-Defizit von € 25 Mrd. aus.

 

Die Erklärung liegt in den außer Kontrolle befindlichen und seit Januar 2015 stattfindenden Staatsanleihekäufen der Europäischen Zentralbank (EZB, deren Haftungskapital nur € 11 Mrd. beträgt), die inzwischen auch „bedrucktes Klopapier“ als „werthaltige Anleihen“ zur Stützung schwacher Euroländer von Großspekulanten aufkauft (diese mögen wohl in London sitzen). Diese „Unwertpapiere“ bilden dann die Gegenposition zu den T-2-Forderungen der Bundesbank  gegen die EZB (€ 796 Mrd.).

 

Die EZB-Stützungskäufe belaufen sich auf monatlich € 80 Milliarden. Im normalen Geschäftsleben würde der Aufkauf von „Unwertpapieren“ schlicht als Betrug bzw. Untreue gewertet werden. Und so soll es auch weitergehen, denn die EZB kündigte soeben an, die Anleihekäufe  bis Dezember 2017 weiterlaufen zu lassen (gesamt € 2,28 Billionen), um im Euroland Konjunktur und Inflation (!) „anzukurbeln“.

 

Damit werden dann in den Tresoren der EZB (an der Deutschland zu 18 % beteiligt ist) überwiegend faule bzw. wenig werthaltige „Unwertpapiere“ der Südländer lagern (= Forderungen gegen diese). [3] Und natürlich freuen wir uns, dass das von der Mainstreampresse so emsig unterstütze „Inflationsziel“ der EZB und der Bundesregierung unser hart verdientes Vermögen und Einkommen beständig schmälert.

 

Im Gegensatz zu den vagen Spekulationen des Bundesbankvorstandes kann sicher geschlussfolgert werden, dass das QE-Programm (quantitative easing) der EZB den  dramatischen Anstieg der Target-2-Salden verursacht hat:  Kauft die EZB Staatsanleihen auf (= Aufkauf von Staatsschulden), dann verteilen sich diese Schulden innerhalb der EZB auf die Anteilseigner der EZB.

 

Da aber Deutschland mit 18 % größter Anteilseigner der EZB ist, entfällt auf D auch der größte Anteil an den aufgekauften Schrottpapieren, denn jedes Euroland ist – entsprechend seiner Anteilsquote an der EZB [4] – verpflichtet, sich an den Aufkäufen zu beteiligen.

 

Wenn nun die Bundesbank (als Teil des Eurosystems) in Deutschland deutsche Anleihen aufkauft (Normalfall), berührt dies den BuBa T2-Saldo nicht (anders, wenn der Verkäufer in Griechenland oder Italien sitzt), denn die Schulden bleiben in Deutschland und auch das Geld, das dafür aufgewandt wird.

 

Aber wenn beispielsweise die Griechische Zentralbank (BOG) oder die Banca d´Italia griechische bzw.  italienische Staatschulden von Hedge-Funds aufkaufen, werden diese professionellen Spekulanten  die Kaufpreiserlöse kaum im unsicheren griechischen bzw. italienischen Bankensystem belassen, sondern umgehend in ein „sicheres“ Euroland (DEU, NDL, LUX)  transferieren, was z.B. bei der BuBa sofort den „positiven“ T2-Saldo nach oben treibt (auf www.Target-2.de beschrieben, siehe etwa Plünderung der Deutschen Bundesbank).

 

Gleichermaßen verhält es sich, wenn die Spanische Zentralbank die eigenen Bonds (verzinsliche Wertpapiere =  auch Staatsanleihen) von einem Spanier aufkauft und dieser das Geld (den erhaltenen Kaufpreis) unverzüglich nach Deutschland überweist.

 

Es ist offensichtlich, dass großen Spieler – seit Beginn der EZB-Ankaufprogramme (Januar 2015) – riesige Spekulationen im Eurosystem am Laufen haben, gleichzeitig aber den nationalen Bankensystemen der Südländer (GR, IT, SP) so misstrauen, dass sie frei werdende Gelder von dort immer sofort abziehen und in den Norden (nach Deutschland, Luxemburg, Niederlande) senden.

 

Hauptsächlich deshalb sind seit 2015 die Target-2-Salden wieder dramatisch in Bewegung:

  • BuBa (Deutschland) von € 461 Mrd. auf € 796 Mrd. (31.01.2017)
  • BCL (Luxemburg)      von € 105 Mrd. auf € 187 Mrd.
  • BCN (Niederlande)    von  € 19 Mrd auf € 87 Mrd.  (bald Verfünffachung!)

 

Demgegenüber steht beispielhaft folgende negative T-2-Saldenentwicklung:

 

  • BdE (Spanien)               von – € 190 Mrd. auf – € 328 Mrd.
  • EZB (Europa)                 von – €   24 Mrd. auf – € 160 Mrd.

 

Unter dem Finanzjongleur Draghi hat die EZB seit dem Start (Januar 2015) ihrer – für die Bürger als Garanten völlig undurchsichtigen – Aufkaufprogramme (siehe jeweils EZB unter Stichwort: CBPP3/ ABSPP/ PSPP / CSPP) € 222 Mrd. italienische und € 159 Mrd. spanische Schulden aufgekauft [5] und unterstützt damit systematisch die im Eurosystem wildernden Großspekulanten.

 

Mit anderen Worten und für den Laien zum Verständnis:

Die EZB hat einigen Hedge-Funds für € 381 Mrd. italienische und spanischer Schrottpapiere  abgekauft und diese haben die Kaufpreise umgehend via Target-2-System in den sicheren Norden verschickt, wodurch die positiven Salden (=Schadensausgleichsforderungen) von Deutschland, Luxemburg und Niederlande sprunghaft angestiegen sind. Und „positive Salden“ heißt hier: Die deutschen Bürger werden zukünftig für diese mistigen „Unwertpapiere“ (durch Forderungsausfall ihrer Bundesbank) sehr teuer bezahlen und als Gegenleistung mehr oder weniger NICHTS erhalten.

 

Zusammenfassung:

Die regierenden Parteien verkaufen (im Interesse ihres temporären Überlebenswillens) den Euro weiterhin als alternativloses Friedensprojekt, das jeden finanziellen Wahnsinn rechtfertigt. Dadurch und weil sie bei Ihrem Treiben von der EZB und deren Chef Draghi massiv unterstützt und abgesichert werden (siehe EZB-Ankaufprogramme), können Finanz-Großspekulanten gigantische Euro-Krisengeschäfte auf volles Risiko der Bürger Deutschlands (und vor allem der Niederlande) tätigen. Es droht jedoch, dass am Ende die normalen und bislang vollkommen ahnungslosen deutschen und niederländischen Bürger an der ihnen aufgehalsten, fremden Zeche zugrunde gehen werden.

 

Denn anders als in dem mahnenden Vers von Wilhelm Busch – „Aber wehe, wehe, wehe! Wenn ich auf das Ende sehe!“-,  wird nicht Herr Draghi (ein weit schlimmerer Bube als Max und Moritz) von dem EZB-Finanz-Schneeballsystem zermahlen werden, sondern Deutschland und seine Bürger. Das Schweigen des Mainstream hierzu spricht Bände.

[1] Thiele in Handelsblatt 07.02.2017

[2] http://sdw.ecb.europa.eu/reports.do?node=1000004859

[3] EZB: Draghi will bis Dezember 2017 Anleihen kaufen – Handelsblatt

[4] EZB-Anteilseigner

[5]  https://www.ecb.europa.eu/mopo/implement/omt/html/index.en.html

http://www.mmnews.de/index.php/wirtschaft/96407-target-2-explosion-club-med

 

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